Histoires
= Voyage archtecture =
von Marseille nach Menton
Text - Harald Bühler
Faire du vélo im Land der Tour de France. Das weckt sofort einen Traum in mir. Noch besser – Julia hat mich gefragt, ob wir nicht zusammen unsere erste gemeinsame Bikepacking-Tour in Südfrankreich machen wollen. Meine Frau Julia ist Redakteurin für die Inspirationsplattform für Ästhet:innen – Urlaubsarchitektur – und träumt schon lange vom Besuch der Villa E.1027 von Eileen Gray. Et volià, wenn man all diese glücklichen Komponenten kombiniert, definiert sich eine Reise an die Côte d´Azur. Der Oktober ist dafür natürlich ideal. Die Temperaturen sind potenziell gut, die anderen Tourist:innen sind wieder bei der Arbeit und als Radhändler ist der Druck in der Werkstatt kleiner.
Die Route war schnell klar: mit dem Zug nach Marseille – fünf Etappen an der Küste entlang – zum Abschluss der Besuch im Haus von Eileen Gray und Le Corbusiers Domizil. In Ventimiglia sind wir wieder in den Zug nach Rosenheim gestiegen. Den Reisebericht zu den architektonischen, kulturellen und landschaftlichen Highlights lest ihr spätestens im Frühjahr auf urlaubsarchitektur.de. Von mir gibt es die Erfahrungen zum Bikepacking unterwegs.
Es war so eine große Freude mit Julia. Klar war, dass ich das Reisen mit dem Rad liebe, aber dass Julia einen derart großen Gefallen daran hatte, war meine besonders große plaisir. Wir haben die Bewegung genossen, die Möglichkeiten zum Pausieren genutzt und vor allem sehr viel im perfekten Tempo gesehen.
Wir haben uns sehr bewusst für ein einfaches und leichtes Setup entschieden. Man ist immer wieder erstaunt, mit wie wenig man auskommt. Ich glaube auch für unsere Nachbar:innen im Zug war die Heimreise kein olfaktorischer Horrortrip.
Julia hat ein Gravelbike von Ritchey. Ein Gepäckträger ist montiert. Die Radtaschen von Ortlieb sind hier jeden Tag easy ein- und auszuhängen.
Ich habe ein Cross-Rad von Ritchey. Die Taschen sind von Cyclite und Evoc. Das ist ein bisschen umständlicher anzubringen, das Fahrgefühl ist dafür besser.
Zugfahren mit dem Fahrrad:
Ich bin gebranntes Kind bei der Mitnahme des Rades auf reservierten Plätzen im Zug. Das ist nur zu empfehlen bei einfachen Routen ohne Umstieg. Klappt hier nämliche eine Verbindung nicht, ist es fast unmöglich weiterzukommen.
Deshalb haben wir uns für die Mitnahme in der Tasche entschieden. Das Rad wird so zum Gepäckstück. Die Taschen von „Buds“ sind TGV geprüft.
Das Fahrrad wird zerlegt und somit hält man die Maximalmaße für das Gepäck ein. Für das Zerlegen und Zusammenbauen von zwei Fahrrädern sind jeweils ca. 30 Minuten und etwas Schraubergeschick einzuplanen.
Unsere Stahlräder waren dafür ideal. In den Zügen ist es eng, der Umgang somit ist nicht besonders pfleglich. Bei Stahlrahmen ist das Beschädigungsrisiko aber gering.
Wenn es finanziell drin lieg, ist die Biuchung der 1. Klasse unbedingt zu empfehlen.
Wenn man die Taschen ungepolstert in der „light“ Variante nimmt, kann man sie auf dem Trip prima mitnehmen. Sie sind nicht groß und wiegen unter einem Kilo.
Auf viel befahrenen Strecken wie dem Brenner kann es zu Diskussionen mit den Schaffner:innen kommen. Uns wollte der italienische Bähnler auf dem Brenner aus dem Zug werfen – der übernehmende Schaffner an der Grenze war aber gnädig und kulant. Offiziell hätte laut ÖBB Statuten das Rad faltbar sein müssen…
Un voyage raffiné – wer auch mal will – dem erzähle ich gerne persönlich mehr.
Ihr könnt bei mir im Laden 2 Radreisetaschen ausleihen – Frontroller, Rahmentasche und Rakete für den Hintern stehen auch gerne bereit.
= Peter =
runde Sache
Text - Julia Hauch
Ohne Ball läuft in Peters Leben wenig. Egal ob Fußball, Basketball oder Tischtennis. Ein großes Match hier, eine kleine Competition dort. Mal mit der Family, mal mit Freunden. Vom Rasen über den Hallenboden bis zur Platte vor der Hamburger Schule, in der Peter als Lehrer unterrichtet. Bis das Knie plötzlich nicht mehr so recht mitspielen will. Das findet Peter natürlich nicht nur schmerzhaft, sondern ziemlich deprimierend. Schließlich ist Ballsport im Fernsehen kein befriedigender Ersatz. Um seinem Frust Luft zu machen, schwingt er sich nach langen Telefonaten mit seinem Freund Harald immer öfter aufs Fahrrad und erkundet die Gegend rund um die Großstadt. Das findet selbst das Knie, der alte Spielverderber, richtig gut. Somit führt kein Weg am Palais Vélo des Freundes vorbei. Mit dem Zug geht es nach Bayern und mit dem extra für Peter ausgesuchten und selbst zusammengebauten Ritchey Gravel Bike durchs Chiemgau. Schließlich ist das ultraleichte Rad der perfekte Begleiter für Entdeckungstouren jeder Art. Von den sanften Hügeln der Voralpenlandschaft über steile Anstiege bis zum eher flachen Norden. Seitdem rollt Peter schnell wie eine Flanke durch die grüne Prärie oder durch die Stadt zum nächsten Spiel.
= Annelie =
EN Woke
Text - toujours - Julia Hauch
Wer jung ist, hat meist Wichtigeres zu tun, als ständig an frische Luft und Bewegung zu denken. Volles Verständnis. Noch dazu, wenn man in einer Großstadt wohnt, in der alle paar Minuten die Tram fast von der Haustür aus bis zum nächsten Date mit den Freund:innen fährt. Da können sich Eltern mit ihrer lamen Lebenserfahrung um Kopf und Konsens diskutieren. Also lieber Kräfte sparen und in ein Rad investieren, das selbst überzeugte Bahnfahrer:innen umsatteln lässt. Wie bei Annelie, 17 Jahre alt und passionierte Stylerin aus Zürich. Ihre Eltern wissen um ihre hohen Ansprüche an Coolness & Co. Wenn eine weiß, was angesagt ist, dann ihre Tochter. Von dem her ein gewagtes Unterfangen, ihr ein neues Fahrrad zum Geburtstag zu schenken. Aber mit Greta kann einfach nichts schiefgehen. Denn das lässige Stadtrad mit minimalistischem Design ist genauso stilsicher wie Annelie. Dank Schutzblech bleiben die Klamotten sauber, die integrierte Lichtanlage leuchtet auch nach der Bar den Weg und der Frontgepäckträger mit Strap-System bringt selbst große Einkäufe easy nach Hause. Im Fall von Annelie geht das Wagnis auf. Sie kann Greta richtig gut leiden, die seitdem für noch mehr frischen Wind in ihrem Leben sorgt.
= saskia =
Filmreif
Text - toujours - Julia Hauch
Fast jede:r dürfte diesen Moment kennen. Man sitzt im Kino oder vor dem Fernseher und ist spontan verliebt. Die einen in Ayo Edebiri oder Tilda Swinton, andere in Joaquin Phoenix, das Haus von Eileen Gray oder einen Ort, der den nächsten Urlaubsplänen eine neue Destination verpasst. Selten trifft es Fahrräder. Selbst wenn sie lässig an Hauswänden lehnen oder elegant durchs Bild rauschen. Anders bei Saskia. Die hat sich in Frieda verliebt. Und zwar auf den ersten Blick. Heiß und innig. Ein urbanes Alltagsrad in reduzierter Designsprache. Feminine Ästhetik mit einem Hauch sportlicher Eleganz. Wunderschön. Da fährt also eine der Schauspielerinnen gleich zu Beginn des Films „Ungeschminkt“ mit besagtem Rad agil-grazil durch die Szene und Saskia weiß: Das ist exakt, was ich will. Ist natürlich ein bisschen leichter als die Wahl des Partners oder der Partnerin, aber trotzdem eine mutig klare Haltung. Nachdem Liebe ja bekanntlich jede Menge Hartnäckigkeit freisetzt, recherchiert Saskia hin und her, um welche Marke und welches Modell es sich bei dem Objekt ihrer Leidenschaft handelt. Mit Erfolg. Schindelhauer it is. Und da es tatsächlich gar nicht so viele Händler:innen rund um München gibt, die das sexy Label aus Berlin vertreiben, landet Saskia im Palais Vélo. Seitdem sind die beiden unzertrennlich. Frieda, on t’aime!
